Eistauchen im Kapbuschsee

07. Februar 2012
von Matthias Ewen

Die fast schon arktische Kälte der letzten Wochen hatte es möglich gemacht, kurzfristig Tauchgänge unter das Eis unseres Vereinssees zu organisieren. Insbesondere die Teilnehmer des Kurses Eistauchen vom letzten Jahr konnten jetzt ihre Ausbildung endlich beenden. Ganz sponten haben sich auch noch 2 erfahrene Eistaucher einer Tauchschule aus Wassenberg unserer Gruppe angeschlossen. So sind wir dann am Sonntag morgen mit 5 Tauchern am See aufgeschlagen. Um einen Raum zum Aufwärmen zu haben, durften wir dankenswerter Weise den Wachcontainer auf dem Freibadgelände nutzen. Der wurde zunächst mit Hilfe eines mitgebrachten Heizgerätes auf angenehme Temperaturen erwärmt. Das war auch dringend nötig, das Thermometer zeigte Aussentemperaturen im zweistelligen Bereich, natürlich unter Null. Mit Hilfe von diversen Werkzeugen wurde dann ein Loch in das Eis gehackt und gesägt. Das Eis war schon über 10 Zentimeter dick und konnte Taucher und Ausrüstung spielend tragen. Trotzdem wurden zur Sicherheit alle Arbeiten auf dem Eis nur in Kälteschutz und mit Seil gesichert durchgeführt. Als auch diese vorbereitenden Arbeiten erledigt waren, folgte eine wichtige Einweisung in das Verhalten im Notfall. Wir gingen ausführlich auf die Rettungskette, Alarmierungsmöglichkeiten, Position von Handys und Notfallkoffer sowie die Aufgaben des Sicherugnstauchers ein. Als der erste Taucher unter das Eis gehen sollte, zeigte sich schnell, dass die hohen Minustemperaturen ihren Tribut von der eingesetzten Ausrüstung fordern. Dem Taucher vereisten die Lungenautomaten noch im Einstiegsloch. Ein Einsatz der Geräte war nicht mehr möglich. Schnelles Abdrehen der Flaschenventile verhinderte einen Totalverlust der Atemluft. Der betroffene Taucher entschloss sich richtigerweise zum Abbruch. Die verleibenden 4 Taucher erkundeten nun einer nach dem anderen die Eisdecke von unten. Wir vereinbarten eine maximale Tauchzeit von 15 Minunten für jeden Taucher. Nun wurden von jedem Taucher alle anfallenden Aufgaben einmal erledigt. Erst als Leinenführer, dann mit angelegtem Gerät als Sicherungstaucher für den Notfall und am Ende selber unter Eis. Da kaum Schnee auf dem See lag, war die Eisdecke klar und durchsichtig. Die ausgeamtete Luft sammelte sich unter dem Eis und bildete eine spiegelnde Masse. Die konnte man mit den Händen wegstreichen und hatte damit einen freien Blick durch das klare Eis nach oben. Sogar auf dem Eis stehende Menschen konnte man erkennen. Eistauchgänge sind keine Tieftauchgänge. Deshalb führten uns die Tauchgänge in maximal 2-3 Meter Tiefe unter der Eisdecke entlang. Die maximale Entfernung vom Einstiegsloch wurde durch die Länge der Sicherungsleine von maximal 30 Meter ab Eisloch vorgegeben. Auch 30 Meter Entfernung vom Loch ist sehr weit und ein Durchbrechen der Eisdecke von unten ist im Notfall vollkommen aussichtslos. Dank guter Vorbereitung und dem Einsatz von guter Ausrüstung und, was mindestens genauso wichtig ist, von erfahrenen Tauchern, verliefen alle Tauchgänge ohne nennenswerte Zwischenfälle. Nach 2 Stunden hatten alle "ihren" Tauchgang unter Eis absolviert und wir standen wieder vollzählig am Ufer. Auch ein Fotograf der Rheinischen Post hat sich für unser Treiben am und unter dem Eis interessiert. Das Ergebnis seines Schaffens fand sich dann am nächsten Tag im Lokalteil der Zeitung. Am Ende des anstrengenden und kalten Tages am zugefrorenen See blieb nur die Hoffnung, dass die Kälte noch etwas anhält und es in den nächsten Wochen weitere Termine zum Eistauchen geben kann.
 

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Rheinische Post vom 07.02.2012